Politische Bildung
Politische Bildung zielt auf Mündigkeit und Teilhabe der BürgerInnen ab, d.h. auf die Fähigkeit des selbstbestimmten politischen Denkens und die Bereitschaft, sich aktiv und eigenverantwortlich an politischen Prozessen zur Gestaltung der Gesellschaft zu beteiligen. Sie schafft Einblick in demokratische Strukturen und Prozesse, zeigt Machtverhältnisse und Einflussfaktoren auf und legt ihren Fokus insbesondere auf Grund- und Menschenrechte.
Im Rahmen politischer Bildung werden Kompetenzen entwickelt bzw. erweitert wie Urteilsfähigkeit über politische Positionen, Fähigkeit zur Entwicklung, Artikulation und Vertretung eigener politischer Standpunkte, Toleranz gegenüber abweichenden Meinungen, Verständnis über demokratische Grundregeln, Fähigkeit zur Beschaffung, Strukturierung und Verarbeitung politischer Informationen sowie Kooperations- und Konfliktlösungskompetenzen.
- Was ist Politik?
- Jugend und politisches Interesse
- Politische Bildung im Rahmen der Kinder- und Jugendarbeit
- Links zu politischer Bildung
Was ist Politik?
Politik schafft Spielregeln des Zusammenlebens. Als weitgefasster Begriff schließt Politik alle gesellschaftlichen Bereiche ein. Viele Fragen, die uns beschäftigen, sind politisch, etwa die Frage der Schulbildung, des Wohnens, des Arbeitsplatzes, der Freizeitgestaltung, der gesellschaftlichen Vielfalt oder der Gesundheit. Viele unserer täglichen Handlungen sind zudem politisch relevant – beispielsweise welche Produkte wir wo kaufen oder welches Fortbewegungsmittel wir wählen.
Die Politikwissenschaft untergliedert Politik in drei Dimensionen:
- Form ("Polity"), etwa politische Strukturen, Rechtssystem, gesellschaftliche Normen und Werte
- Inhalt ("Policy"), damit gemeint sind allgemeine politische Ziele und Aufgaben sowie spezielle Parteiprogramme
- Prozess ("Politics"), v.a. Vorgänge politischer Willensbildung
Jugend und politisches Interesse
Das vielfach untersuchte Politikinteresse der Jugend bezieht sich meist auf einen eingeschränkten Politikbegriff. "Politikverdrossenheit bei Jugendlichen" stellt sich bei näherer Betrachtung dabei primär als Skepsis der jungen Menschen gegenüber traditioneller Parteipolitik bzw. Ablehnung der Politikgestaltung der wahlwerbenden Parteien heraus, nicht jedoch der Politik an sich. Unzufrieden sind junge Menschen oftmals mit angebotenen Parteiprogrammen, die zu wenig auf die Interessen und Lebenslagen von Jugendlichen ausgerichtet sind. Jugendliche nutzen Mitbestimmungsmöglichkeiten und -rechte, wen diese verfügbar sind und je besser Jugendliche informiert sind, desto mehr sind sie an Politik interessiert. Das zeigen z.B. sowohl die Erfahrungen im Rahmen der Jugendarbeit als auch diverse Untersuchungen und Analysen rund um Wahlen im Zuge der Wahlaltersenkung.
Politische Bildung im Rahmen der Kinder- und Jugendarbeit
Bildung ist ein individueller Prozess. Im Rahmen der politischen Bildung ist es daher – wie bei jeder Bildungsarbeit - wichtig, den sozialen Kontext, d.h. die individuellen Lebenswelten und Sozialräume der Kinder und Jugendlichen, mit einzubeziehen. Mit ihrem sozialräumlichen Blick und ihrer Orientierung an den individueller Stärken und Ressourcen der jungen Menschen bietet die Kinder- und Jugendarbeit jenseits des Schulunterrichts individuelle Bildungsgelegenheiten und Entfaltungsmöglichkeiten.
Die Förderung des Demokratieverständnisses ist selbstverständlicher Teil der Kinder- und Jugendarbeit. Demokratieverständnis entsteht im Erleben von Demokratie. Die Kinder- und Jugendarbeit ist ein Ort der Begegnung, des sozialen Lernens, der Selbstorganisation, der Mitbestimmung, ein Ort gelebter Demokratie! Im Sinne der Partizipation werden die Angebote in Abstimmung mit den Interessen, Bedürfnissen und Ideen der Ziel- und Dialoggruppen und unter größtmöglicher Mitbestimmung gestaltet. Die Kinder und Jugendlichen erleben täglich, wie Entscheidungen demokratisch gefällt werden und Konflikte fair geregelt werden können. Sie erleben respektvolles Miteinander und Geschlechtersolidarität. Mitbestimmungsprozesse, sei es bei der täglichen Programmgestaltung, bei Projekten oder fix installierten Beteiligungsmöglichkeiten wie Kinder- und Jugendparlamenten, sind wichtige Bildungsgelegenheiten im Sinne politischer Bildung. Dazu zählen auch die in Kooperation zwischen Schule und Jugendarbeit stattfindenden Workshops für SchülerInnenvertreterInnen zu.
Die Wiener Kinder- und Jugendarbeit setzt sich jährlich einen besonderen Schwerpunkt mit vereinesübergreifendem Informations- und Erfahrungsaustausch sowie Kooperationsprojekten. 2010 lautet der Jahresschwerpunkt "Gesellschaft und Verantwortung". Ein wichtiger Aspekt dabei ist die politische Bildung im Rahmen der Kinder- und Jugendarbeit. Das Jahr 2010 gibt zudem aufgrund der Wiener Volksbefragung im Februar, der Wahl des Bundespräsidenten bzw. der Bundespräsidentin im April sowie der Wiener Gemeinderats- und Bezirksvertretungswahl im Oktober Anlass zur intensiven Auseinandersetzung mit Demokratieprozessen und -strukturen.
Informieren, sensibilisieren, aktivieren!
Voraussetzung, dass Jugendliche ihre Mitbestimmungsmöglichkeiten nutzen, ist eine entsprechende Information und Motivation. Begleitende Maßnahmen im Rahmen der Jugendarbeit rund um Wahlen sind daher von großer Bedeutung.
Für Erst- und JungwählerInnen stellen sich viele Fragen, beispielsweise: Wer darf wählen? Was wird gewählt? Wie funktioniert der Wahlvorgang? Wo bekomme ich Infos über die wahlwerbenden Parteien?. Im Rahmen von begleitenden Maßnahmen geht es weites im Sinne einer Sensibilisierung um Fragen der Auswirkungen des eigenen Wahlverhaltens, etwa: Zählt meine Stimme? Was bewirkt ein Nicht-Wählen oder eine Proteststimme? Wichtig sind schließlich auch jugendadäquate Angebote, die Interesse wecken, mögliche Schwellenängste abbauen und die Jugendlichen dazu motivieren, ihr Wahlrecht zu nutzen.
Die Wiener Jugendarbeit setzt im Vorfeld von Wahlen verschiedene Angebote, um Jugendlichen das politische System verständlich zu machen, sie über ihr Wahlrecht zu informieren und zur Wahlbeteiligung zu motivieren:
- Probewahlen
Die bewährten Probewahlen im Park, Jugendzentrum oder Jugendtreff sind dabei mittlerweile in vielen Einrichtungen fixer Bestandteil.
Darüber hinaus findet eine Vielzahl an kreativen, spielerischen, informierenden und aktivierenden Angeboten zur Wahl statt, z.B.:
- Gemeinsame Gestaltung von Plakaten, Collagen
- Gespräche, Diskussionen mit den Jugendlichen
- Talkrunden mit PolitikerInnen auf Stadt- und/oder Bezirksebene
- PolitikerInnen-Speed-Dating
- Wahlplakat-Ralley (z.B. mit Handy-Fotografie) mit anschließender Wahlplakatanalyse
- Erfinden eigener Wahl-Slogans
- Wahl-Quiz
- Wahl-Puzzle
- PolitikerInnen-Memory (Online-Spiel)
- Wahl-Video-Projekt
- Clubabende zum Thema "Wählen"
- "Wahlkabinen-Party"
- Wahl-Info-Cafè
- "Wahl-Brunch" am Wahlsonntag
- Info mittels Computer und Internet (auch im Park)
- Info-Wände und/oder Info-Tische im Jugendzentrum, Jugendtreff
Info-Sites für Jugendliche:
Links zu politischer Bildung:
- Forum Politische Bildung
- Politische Bildung (BMUKK)
- Zentrum Polis
- Demokratiezentrum Wien
- Politik Lexikon für junge Leute
- Handlungsfeld Politische Bildung (Verein Wiener Jugendzentren)
- Neues
- Download Broschüre:
VIELE STIMMEN -
EINE STADT (2,5MB PDF)

