Mitbestimmung und Qualität

Partizipation ist mittlerweile ein häufig verwendeter Begriff. Doch nicht überall, wo "Partizipation" drauf steht, ist auch Mitbestimmung drin. Daraus ergibt sich die Frage, welche qualitativen Anforderungen sich an Partizipationsprozesse stellen. Qualität hängt immer von bestimmten (subjektiven) Werten und Bedürfnissen ab. Dennoch lassen sich allgemeine Qualitätsmerkmale*) feststellen, die ernst gemeinte Partizipation von Schein-Beteiligung unterscheiden:

  • Die Kinder und Jugendlichen nehmen freiwillig und selbstbestimmt am Prozess teil.
  • Der Prozess wird durch kompetente Personen begleitet, die die jungen Menschen in ihren Anliegen und Forderungen unterstützen. Kinder- und Jugendbeteiligung wird nicht dem Zufall überlassen.
  • Die Kinder und Jugendlichen sind aktiv eingebunden, motiviert und erleben ihre Selbstwirksamkeit.
  • Die Kinder und Jugendlichen erhalten eine verlässliche Rückmeldung in Bezug auf ihre Anliegen, Forderungen.
  • Der Dialog ist offen, kooperativ, wertschätzend und erfolgt auf gleicher Augenhöhe, die Kinder und Jugendlichen und ihre Anliegen werden ernst genommen.
  • Der Prozess ist geschlechtssensibel und diversitätsbewusst gestaltet, d.h. er schließt Kinder und Jugendliche in ihrer Vielfalt, mit ihren individuellen Interessen, Bedürfnissen, Lebenslagen und Potentialen, Mädchen und Burschen gleichgestellt, ein.
  • Erforderliche Ressourcen für den Prozess in personeller, finanzieller, räumlicher und zeitlicher Hinsicht sind sicher gestellt.
  • Alle Beteiligten haben ein gewisses Maß an Mitverantwortung in Bezug auf den Verlauf und die Ergebnisse des Beteiligungsprozesses.
  • Der Prozess wird überparteilich und für alle Beteiligten überschaubar und transparent gestaltet. Instrumentalisierung für politische Zwecke und gezielte Manipulation zur Durchsetzung vorgegebener politischer, konfessioneller oder weltanschaulicher Positionen haben keinen Platz
  • Die Ziele ("Was wollen wir erreichen?") und Zeitressourcen ("Wie viel Zeit wollen und können wir in den Prozess investieren?") werden gemeinsam festgelegt.
  • Gemeinsam getroffene Vereinbarungen werden verbindlich umgesetzt.
  • Die wesentlichen Schritte und Ergebnisse werden dokumentiert und nach Möglichkeit öffentlich kommuniziert.
  • Erfolge und Problemlagen werden von möglichst allen Beteiligten gemeinsam reflektiert und weitere Schritte bzw. nachfolgende Prozesse werden entsprechend adaptiert.

*) Diese Qualitätsmerkmale sind angelehnt an die von der österreichischen ARGE Partizipation erstellten Qualitätskriterien für Kinder- und Jugendbeteiligung.

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Mittwoch, März 02, 2016